Mensch, KI und Handwerk bei der WI26 in Linz

Die WI 2026 in Linz stellte die Zusammenarbeit von Mensch und KI in den Mittelpunkt. Unser Rückblick verbindet Debatten über Automatisierung, NeuroIS und Lehre mit dem Digital Journeyman: einem KI-gestützten Sprachassistenten für Angebotsprozesse im Handwerk.
Logo der WI 2026 in Linz auf dunkelblauem Hintergrund mit grünen Akzenten.

Vom 6. bis 10. September 2026 fand an der Johannes Kepler Universität Linz die 21. Internationale Tagung Wirtschaftsinformatik statt. Unter dem Leitthema „Soziotechnische Systeme im Zeitalter von KI“ brachte die WI26 Forschende und Praxisvertreter zusammen. Viele Beiträge kreisten um dieselbe Gestaltungsfrage: Welche Aufgaben kann KI übernehmen, und wo bleiben menschliche Erfahrung, Verantwortung und Urteilskraft unverzichtbar?

Automatisierung als Gestaltungsfrage

Das Panel zur sinnhaften Vollautomation im KI-Zeitalter spannte den Bogen von autonomer Intelligenz und klassischer Automatisierungslehre bis hin zur gesellschaftlichen Verantwortung. Im Mittelpunkt stand damit nicht allein die technische Machbarkeit. Ebenso wichtig sind der Zweck einer Automatisierung, ihre Folgen für Beschäftigte und Organisationen sowie die Frage, wer Entscheidungen nachvollziehen, korrigieren und verantworten kann und muss. Gerade bei KI-Systemen genügt es daher nicht, möglichst viele Prozessschritte zu automatisieren. Entscheidend ist eine Aufgabenteilung, die die Stärken der Technologie nutzt und menschliche Eingriffsmöglichkeiten erhält.

NeuroIS und KI in der Lehre

Auch NeuroIS spielte auf der WI26 eine Rolle. Das Forschungsfeld verbindet Wirtschaftsinformatik mit neurowissenschaftlichen und psychophysiologischen Methoden und eröffnet damit neue Perspektiven auf die Interaktion zwischen Menschen und Informationssystemen. Besonders spannend war für mich die Keynote „The Brain in Flow“ von Fiona Nah, die zeigte, wie sich intensive Nutzungserfahrungen und Flow-Zustände aus dieser Perspektive untersuchen lassen.

Ein weiteres wichtiges Thema war der Einsatz von KI in der Lehre. Generative KI verändert zunehmend, wie recherchiert, geschrieben und programmiert wird. Damit stellt sich auch die Frage, welche Kompetenzen Studierende künftig benötigen und wie Lehr- und Prüfungsformate darauf reagieren sollten. Neben dem produktiven Einsatz von KI bleibt vor allem die Fähigkeit wichtig, Ergebnisse kritisch zu prüfen und fachlich einzuordnen.

Vom Digital Engineer zum Digital Journeyman

Einen industriebezogenen Ausblick gab Johannes Brandstetter von Mistral AI in seiner Keynote „The Digital Engineer“. Er beschrieb drei Entwicklungen für die technische Arbeit: lernende Grundlagenmodelle für physikalische Systeme, agentische Arbeitsabläufe über bislang getrennte Werkzeuge hinweg und die Verbindung von Sensordaten mit Simulationen. Neben den technologischen Möglichkeiten rückte dabei auch die europäische Technologiesouveränität in den Blick.

Daran schloss sich unser eigener Beitrag im Track 1 „Socio-technical Systems in Times of Artificial Intelligence“ an. Richard Wiebe stellte das Paper „Digital Journeyman in Crafts Businesses: Designing an AI-driven Voice Assistant for Quotation Processes“ vor das wir auch schonmal hier im Blog thematisiert haben. Der KI-gestützte Sprachassistent erfasst Informationen aus Kundenterminen, strukturiert sie und bereitet sie für die Angebotserstellung auf. Im Mittelpunkt steht dabei die asynchrone Zusammenarbeit von Mensch und KI: Während die Fachkraft sich auf den Kundentermin konzentriert, überführt die KI die erfassten Informationen in eine digitale Struktur; Prüfung und Entscheidung verbleiben beim Menschen.

Vortragender am Rednerpult vor einer Projektion der WI 2026 an der Johannes Kepler Universität Linz.
Richard Wiebe stellt unser Paper zum Digital Journeyman vor

Austausch über die Sessions hinaus

Neben den Vorträgen bot die WI26 viele Gelegenheiten, offene Fragen weiterzudenken: in den Pausen auf dem Campus, beim Konferenz-Dinner im Stadion und in Gesprächen mit Forschenden aus unterschiedlichen Teilgebieten der Wirtschaftsinformatik. Gerade diese Gespräche machten sichtbar, wie ähnlich die Herausforderungen in verschiedenen Anwendungsfeldern sind. Ob Handwerk, industrielle Entwicklung oder Hochschullehre – tragfähige KI-Lösungen entstehen dort, wo technische Fähigkeiten mit einer klaren Vorstellung menschlicher Aufgaben und Verantwortlichkeiten verbunden werden.

Sechs Konferenzteilnehmende sitzen während der WI 2026 gemeinsam an einem Tisch.
Unser Team in einer Konferenzpause (V.l.n.r: Ulvi Ibrahimli, Benedikt Wirsing, Yannick Paschke, Richard Wiebe, Willy Kögler und Anne van Husen)

Fragen oder Interesse am Digital Journeyman?