Process Mining für KMU: Liefert Ihre Software die richtigen Daten?

Process Mining deckt versteckte Ineffizienzen im Mittelstand auf, aber nur, wenn Ihre Software auswertbare Daten liefert. Der Beitrag zeigt, worauf es bei der Softwareauswahl ankommt und wie Sie teure Fehlentscheidungen vermeiden, bevor Sie in Process Mining investieren.

Wo genau verlieren Sie im Tagesgeschäft Zeit und Geld? Die meisten Unternehmen ahnen es nur. Process Mining macht es sichtbar. Objektiv, datenbasiert und ohne aufwändige Workshops. Im Mittelstand scheitert der Einstieg aber oft an einer unscheinbaren Frage: Liefert die genutzte Software überhaupt die passenden Daten?

Kleine und mittlere Unternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: Sie stellen über 99 % aller Unternehmen und mehr als die Hälfte aller Arbeitsplätze. Gleichzeitig arbeiten sie unter knappen Ressourcen und mit wenig IT-Personal. Der Blick richtet sich zwangsläufig auf das Tagesgeschäft, auf Effizienz und Kosten. Wer hier echtes Verbesserungspotenzial heben will, muss jedoch zuerst verstehen, wie die eigenen Abläufe tatsächlich funktionieren und wo sie ins Stocken geraten.

Genau hier setzt Process Mining an. Die Methode verbindet klassisches Prozessmanagement mit Data Science und rekonstruiert Ihre realen Abläufe aus den digitalen Spuren, die Ihre Software bei jedem Arbeitsschritt ohnehin hinterlässt. Statt auf Annahmen aus Interviews oder Workshops zu bauen, entsteht das Prozessbild direkt aus den echten Daten Ihrer Systeme. Das Ergebnis ist eine ehrliche Landkarte dessen, was in Ihrem Unternehmen wirklich passiert.

Der Nutzen ist greifbar: Process Mining deckt Engpässe, Umwege und überflüssige Schleifen auf, zeigt Abweichungen von den Soll-Prozessen und macht messbar, wie lange einzelne Schritte tatsächlich dauern. So erkennen Sie auf einen Blick, wo sich Zeit sparen, Fehler vermeiden und Kosten senken lassen.

Das Problem

Die Daten fehlen im Mittelstand oft

Der Haken: Process Mining ist nur so gut wie die Daten, auf denen es aufbaut. Es braucht saubere Ereignisdaten, sogenannte Event Logs, die festhalten, welcher Vorgang wann welchen Schritt durchlaufen hat. Und ob Ihre Software solche Daten überhaupt liefert, ist im Mittelstand alles andere als selbstverständlich. Damit aus den Event Logs ein belastbares Prozessmodell entsteht, braucht jeder Vorgang drei Angaben:

Fall-ID

Verbindet alle Schritte zu einem Vorgang

Aktivität

Benennt den ausgeführten Arbeitsschritt

Zeitstempel

Macht Reihenfolge und Dauer messbar

In großen Konzernen sind diese Angaben Standard. Der Mittelstand sieht anders aus: Viele KMU arbeiten mit einer gewachsenen Softwarelandschaft aus Insellösungen, Tabellen und Speziallösungen. Prozessdaten liegen dann verstreut, oft ohne durchgängige Kennung, die einzelne Schritte verbindet. Wie gut eine Software geeignete Daten liefert, hängt vor allem von ihrem Integrationsgrad ab:

Tabellen Excel, Papier Standalone Buchhaltung, CRM SME-ERP Odoo, SAP B1 Enterprise-ERP SAP S/4HANA geringe Datenreife hohe Datenreife

Abb. 1: Je stärker Systeme integriert sind, desto eher entstehen auswertbare Event Logs.

Die Lösung

Eine Landkarte für die Softwareauswahl

Der Schlüssel liegt in einem anderen Blick auf die eigene Software. Üblicherweise wird ein System danach ausgewählt, was es kann und was es kostet. Für Process Mining zählt eine andere Frage: Erzeugt dieses System im täglichen Betrieb Daten, mit denen sich Abläufe überhaupt nachvollziehen lassen? Aus dieser Perspektive lässt sich jede KMU-Software einordnen. Drei Blickwinkel machen das greifbar:

01

Software-Landschaft

Was für ein System ist es – und was kostet es?

Funktionsumfang · Betriebsmodell · Kosten
02

Event-Log-Eigenschaften

Welche Daten erzeugt es im Betrieb?

Fall-ID · Zeitstempel · Schema · Zugriff
03

Process-Mining-Reife

Wie leicht sind die Daten auswertbar?

Aufwand · Tools · nötige Kompetenz

So wird aus zwölf Kriterien eine Entscheidung

So lässt sich jedes System einordnen: Manche geben ihre Prozessdaten fast von selbst preis, bei anderen ist erst aufwändige Vorarbeit nötig. Und wieder andere liefern schlicht keine brauchbare Grundlage.

Was das für KMU bedeutet

Vier Erkenntnisse für die Praxis

01

Der Kosten-Eignungs-Konflikt

Die am besten geeigneten Systeme (etwa SAP S/4HANA oder Oracle) liegen im teuersten Segment. Oft außerhalb der Reichweite vieler KMU.

02

Open-Source-ERP als Sweet Spot

Odoo verbindet hohe Datenreife mit null Lizenzkosten. Aber: Open Source ist keine Garantie. ERPNext etwa liefert schwächere Voraussetzungen.

03

Spezialsoftware überrascht

Branchenlösungen wie Kassensysteme, MES oder Warenwirtschaft liefern oft bessere Daten als generische ERP, weil sie um einen Prozess herum gebaut sind.

04

Keine Abkürzung über eine Kennzahl

Eine „zertifizierte PM-Integration" bedeutet nicht automatisch gute Daten. Prüfen Sie mehrere Dimensionen zusammen.

Fazit

Erst die Software prüfen, dann starten

Process Mining für KMU beginnt nicht mit der Methode, sondern mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme: Liefert Ihre Software die passenden Daten? Wer das vorab klärt, spart sich Fehlinvestitionen und entdeckt vielleicht, dass ein Open-Source-ERP oder die eigene Branchenlösung bereits eine gute Grundlage bietet.

Herausfinden, was in Ihren Daten steckt

Im Rahmen unseres Forschungsprojekts begleiten wir Sie beim Einstieg in Process Mining und Hyperautomation. Praxisnah und ohne Vorwissen.