Impulsvorträge: Einblicke in Entscheidungsautonomie und Bricolage im Hinblick auf Hyperautomation

Kürzlich hatten wir die Gelegenheit, drei spannende Vorträge zu aktuellen Forschungsthemen im Bereich Hyperautomation sowie zu agentischen Informationssystemen zu hören. Beide Vorträge boten tiefgehende Einblicke in die Rolle fortschrittlicher Technologien bei der Prozessautomatisierung und Entscheidungsfindung.

Bricolage and Hyperautomation: How does this fit?

Die ersten beiden Vorträge widmeten sich der Frage, wie Hyperautomation mit dem Konzept des Bricolage – also der kreativen Nutzung vorhandener Ressourcen zur Problemlösung – kombiniert werden kann. Hyperautomation verfolgt das Ziel, Geschäftsprozesse durch eine Kombination aus KI, Robotic Process Automation (RPA) und weiteren Technologien weitestgehend zu automatisieren. Bricolage hingegen betont flexible, oft improvisierte Lösungsansätze, insbesondere in ressourcenbeschränkten oder dynamischen Umgebungen.

Die Verbindung dieser beiden Ansätze mag auf den ersten Blick widersprüchlich erscheinen, doch die Vorträge zeigten auf, dass Hyperautomation nicht zwingend standardisierte, rigide Lösungen voraussetzt. Vielmehr lassen sich agile und iterative Automatisierungskonzepte mit bricolageartigen Methoden kombinieren, um individuelle und innovative Automatisierungslösungen zu schaffen. Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei die Rolle von Low-Code- und No-Code-Plattformen, die es ermöglichen, Automatisierungsprozesse ohne tiefgehende Programmierkenntnisse flexibel zu gestalten.

Entscheidungsautonomie und Effizienz durch agentische Informationssysteme

Der dritte Vortrag beschäftigte sich mit der Frage, wie agentische Informationssysteme – also Systeme, die eigenständig Entscheidungen treffen oder Handlungsempfehlungen geben – die Entscheidungsautonomie und Effizienz in Organisationen beeinflussen.

Ein zentrales Thema war die Balance zwischen menschlicher Kontrolle und maschineller Autonomie. Während algorithmische Entscheidungsfindung Effizienzvorteile durch Automatisierung und schnellere Datenverarbeitung bietet, ergeben sich gleichzeitig Herausforderungen hinsichtlich Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Vertrauen in die Entscheidungsmechanismen. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung von adaptiven Systemen, die nicht nur feste Regeln befolgen, sondern sich dynamisch an unterschiedliche Kontextfaktoren anpassen können. Der Vortrag unterstrich, dass Unternehmen strategische Leitlinien für den Einsatz solcher Systeme definieren müssen, um unerwünschte Effekte auf die Entscheidungsqualität und Verantwortungsübernahme zu vermeiden.

Implikationen für Forschung und Praxis

Die Vorträge zeigten auf, dass die Gestaltung von Automatisierung und Entscheidungsprozessen stark von der jeweiligen Organisationsstrategie und technologischen Ausrichtung abhängt. Während agentische Systeme neue Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung bieten, erfordert ihr Einsatz eine bewusste Abwägung von Kontrolle und Autonomie. Gleichzeitig verdeutlicht die Kombination von Bricolage und Hyperautomation, dass erfolgreiche digitale Transformation nicht nur auf standardisierten Technologien basiert, sondern auch kreative und flexible Ansätze erfordert.

Die Diskussionen nach den Vorträgen zeigten ein großes Interesse an diesen Themen und bestätigten die Relevanz für Unternehmen und Forschung gleichermaßen. Die gewonnenen Erkenntnisse liefern wertvolle Impulse für zukünftige Forschungsarbeiten und praxisnahe Implementierungen im Bereich derHyperautomatisierung.